Letztens wurde mir vorgeworfen, dass meine Strickanleitungen viel zu teuer wären. Aber was darf eine Strickanleitung kosten? In diesem Beitrag schlüssele ich auf, wie viel Arbeit wirklich darin steckt.
Ideenfindung
Diese Phase kann man kaum genau bestimmen. Bei einigen Projekten habe ich direkt eine wirklich gute Idee, bei anderen kommt es vor, dass ich mehrere Stunden dransitze. Kreativität passiert nun mal auch nicht auf Knopfdruck.
Dann male ich eine Skizze und versuche abzuschätzen, wie viel Garn ich brauche und in welchen Farben.
Nehmen wir einmal an, dass ich im Schnitt so etwa 1 Stunde für eine Idee brauche.
Modellstrick
Jedes Modell, zu dem ich eine Anleitung schreibe, stricke ich mindestens einmal selbst. Natürlich brauche ich für Socken nicht so lange wie für einen Pullover.
Für eine Anleitung, die sich gerade im Teststrick befindet, habe ich mal eine Stoppuhr mitlaufen lassen. Ich habe dafür rund 60 Stunden gebraucht. Das war ein recht einfacher Pullover, der hauptsächlich glatt rechts in Runden gestrickt wird.
Bei diesem Modell habe ich sehr wenig korrigieren müssen. Bei anderen Modellen kann es vorkommen, dass ich nach 20-30 Stunden Arbeit nochmal komplett ribbeln muss, weil ich mich verrannt habe.
Socken stricke ich dafür nicht nur einmal, sondern 2-3 Varianten pro Anleitung.
Nehmen wir also hier an, dass ich im Schnitt 60 Stunden fürs Stricken benötige.
Anleitung schreiben
Während ich das Modell stricke, mache ich mir schon reichlich Notizen. Das spart beim Schreiben der Anleitung enorm viel Zeit. Aber trotzdem muss ich alles strukturieren, Bilder machen und einfügen, eventuell Skizzen basteln.
Zu dieser Zeit zähle ich auch die potenziellen Überarbeitungen während der Teststrickphase. Dies kann je nach Komplexität der Anleitung 2-10 Stunden dauern.
Nehmen wir mal an, ich brauche im Schnitt dafür 5 Stunden.
Teststrickerinnenbetreuung
Die Betreuung der Teststrickerinnen ist auch nicht zu verachten. Ich muss Teststrickerinnen suchen, auf Instagram oder über meinen Newsletter. Dann muss ich geeignete Teststrickerinnen auswählen. Und natürlich stehe ich meinen Teststrickerinnen während der gesamten Testphase bereit für Fragen.
Auch hier ist es sehr unterschiedlich. Mal habe ich Teststrickerinnen, die gut alleine zurechtkommen und mir saubere Verbesserungsvorschläge machen. Dann habe ich aber auch immer mal wieder Teststrick-Anfängerinnen dabei, die viele Rückfragen haben.
Versteht mich nicht falsch, beide Gruppen sind gut für einen Teststrick. Aber natürlich kostet jede Rückfrage auch Zeit. Diese Zeit habe ich bisher nie genau gemessen, da ich das teilweise zwischendurch mache. Mal eine Frage in der Mittagspause, eine auf dem Heimweg in der Bahn. Dann wieder welche zu Hause, während ich schon am nächsten Modell stricke.
Aber auch dafür würde ich mal gute 5 Stunden pro Anleitung ansetzen.
Tabellarische Übersicht und Summe
| Tätigkeit | Stunden |
|---|---|
| Ideenfindung | 1 |
| Modellstrick | 60 |
| Anleitung schreiben | 5 |
| Teststrickerinnenbetreuung | 5 |
| Summe | 71 |

Angenommen, ich würde für diese Zeit nur den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 13,60 Euro ansetzen, dann käme ich auf einen Preis von 965,60 Euro pro Anleitung.
Als Kleinunternehmerin weise ich keine Umsatzsteuer aus. Auf Plattformen wie Ravelry wird sie aber beim Kauf automatisch auf meinen Preis aufgeschlagen: Wer in Deutschland kauft, zahlt bei 10 Euro also 11,90 Euro. Die Mehrwertsteuer leite ich vollständig weiter, mein Preis bleibt 10 Euro.
Darin eingerechnet sind noch keine Materialien wie Wolle oder Stricknadeln, genauso wenig wie die Zeit für Marketing und Social-Media-Posts. Auch Steuern sowie Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung fehlen in dieser Rechnung, denn als Selbstständige muss ich diese komplett allein tragen.
Was muss eine Strickanleitung kosten?
Wenn man nun überlegt, dass sich eine Anleitung vielleicht irgendwann mal 100-mal verkauft, käme ich auf einen Preis von 9,66 Euro pro Anleitung, den ich nehmen muss, um auf den Mindestlohn zu kommen.
Ach ja, darin eingerechnet sind noch nicht die Gebühren, die ich beim Verkauf zahlen muss. Wie viel davon tatsächlich bei mir ankommt, schlüssele ich in einem eigenen Beitrag auf: [Was von einer verkauften Anleitung wirklich übrig bleibt]. Der Beitrag erscheint demnächst.
Fazit
Wer eine Strickanleitung kaufen möchte, zahlt für mehr als nur das PDF.
Ich kann verstehen, wenn jemand diese 10 Euro nicht erübrigen kann. Das ist ok. Es gibt auch Strickzeitschriften, bei denen man für weniger Geld sogar mehr Anleitungen bekommen kann. Dafür gibt es dann aber auch keine Möglichkeit, Kontakt zur Designerin aufzunehmen, um auftretende Fragen zu klären.
Ich biete allen Käuferinnen meiner Anleitungen an, bei den Berechnungen zu meinen Anleitungen zu helfen und stehe auch sonst immer für Fragen zur Verfügung.





Schreibe einen Kommentar